Die Stadt Solothurn ist statistisch der kriminellste Bezirk der Schweiz. Während manche ungläubig staunen, sind andere wenig überrascht. Die Polizei erklärt das Phänomen.

Die Stadt Solothurn ist statistisch der kriminellste Bezirk der Schweiz. Während manche ungläubig staunen, sind andere wenig überrascht. Die Polizei erklärt das Phänomen.

Solothurn ist laut der Kriminalstatistik 2024 der kriminellste Bezirk der Schweiz. Mit 269 Straftaten pro 1000 Einwohner übertrifft Solothurn andere Städte deutlich. Manche Bewohner sind erstaunt über die Statistik – andere sagen, sie spüren die Kriminalität im Alltag durchaus.

Statistisch betrachtet ist die Stadt Solothurn mit fast 270 Straftaten pro tausend Einwohner der kriminellste Bezirk der Schweiz. Mit diesen Zahlen liegt Solothurn deutlich vor den Grossstädten Basel und Zürich. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Kriminalstatistik für das Jahr 2024 hervor. Dass ausgerechnet die beschauliche Kleinstadt Solothurn diese Statistik anführt, überrascht viele. 20 Minuten hat bei den Solothurnerinnen und Solothurnern nachgefragt, was sie über diese Statistik denken und wie sie die Situation in ihrer Heimatstadt einschätzen.

«Ich habe vorher in Biel gewohnt, das hat eher den Ruf, kriminell zu sein – deshalb überraschen mich diese Zahlen», sagt eine junge Frau, die gerade mit dem Kinderwagen durch die Altstadt spaziert. Unsicher fühle sie sich hier nicht, höchstens am Bahnhof spätabends sei ihr manchmal unwohl. «Das ist aber in anderen Städten auch nicht anders», meint sie.

Doch nicht alle zeigen sich so unbekümmert. Zwei weitere Passantinnen geben an, den Anstieg der Straftaten in letzter Zeit deutlich zu spüren.
«Ich arbeite in einem Altersheim und bei uns wurde schon mehrmals versucht einzubrechen», so eine der beiden Frauen. Ihre Kollegin pflichtet bei: Sie würde immer wieder in ihrem Umfeld von Einbrüchen hören. «Bei uns selber im Wohnhaus wurde sogar im Keller eingebrochen und alle Velos geklaut», sagt sie. Auch Tabitha (21) zeigt sich über die Zahlen weniger verwundert: «Ich habe schon davon gelesen, dass Solothurn eine besonders hohe Kriminalitätsrate habe.» Ihr selber sei zwar noch nie etwas passiert, aber am Bahnhof fühle sie sich zunehmend unsicher. «Ich bin dort nicht gerne abends alleine unterwegs.»

Die Kantonspolizei Solothurn relativiert die auffallend hohe Kriminalitätsrate und betont: «Die Stadt Solothurn ist eine statistische Besonderheit, da sie mit rund 16’000 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht nur eine Gemeinde, sondern gleichzeitig einen eigenen Bezirk bildet.» Als Kantonshauptstadt übernehme die Stadt eine Zentrumsfunktion für Arbeit, Gesellschaft und Freizeit in der Region – was automatisch zu mehr Menschenverkehr und damit auch zu mehr Straftaten führe.